Masterplan? Unsere Stadt braucht Tatkraft.

Lüdenscheid verändert sich. Ein Spaziergang durch die Innenstadt, eine Autofahrt an mancher Baustelle vorbei, ein Gespräch mit einem Beschäftigten aus einem heimischen Industrieunternehmen oder der Austausch mit Verantwortlichen aus den Sportvereinen zeigen das ganz deutlich. Ganz viele Aspekte spielen bei diesen Veränderungen eine große Rolle: Ein verändertes Freizeitverhalten von Jugendlichen (das einerseits mit Smartphones zu tun hat, andererseits aber auch zum Beispiel mit mehr Ganztagsangeboten an Schulen) hat Auswirkungen auf die Jugendabteilungen der Vereine oder auf die Aufstellung der Jugendeinrichtungen. Die zunehmende Automatisierung in den Betrieben hat Auswirkungen für Beschäftigung und den Bedarf an Gewerbeflächen. Und das Kaufverhalten der Menschen spiegelt sich in den Innenstädten einerseits und den neuen Nahversorgungszentren andererseits wider.

Tendenzen, wie sich diese Themen entwickeln, waren vor zehn oder fünfzehn Jahren zu erkennen. Aber die gesamte Tragweite war eben nicht abzuschätzen. Ein Masterplan vor zehn Jahren hätte der Stadtentwicklung genauso wenig geholfen, wie er es in diesen Zeiten tun würde. Wer konnte vor zehn Jahren wissen, dass wir innerhalb von nicht einmal 15 Jahren zwei REGIONALE-Perioden für Südwestfalen erleben würden? Die Finanzkrise hatte vor gut zehn Jahren erhebliche Auswirkungen auf die heimischen Unternehmen, viele mussten Kurzarbeit anmelden. War das planbar? Der Dieselskandal wird ganz sicher zur Folge haben, dass der Wandel weg vom Verbrennungsmotor sich beschleunigen wird. Der Wandel von Mechanik zu Elektronik bei Autokomponenten beschleunigt sich ebenfalls mit erheblichen Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. War dies etwa für alle so vorhersehbar?

Die Digitalisierung wird uns noch viele Jahre beanspruchen. Manche Erneuerung wird eine Zumutung sein, mit anderen Erneuerungen werden wir aber auch neue Chancen verbinden können. Hierfür müssen wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Viele Menschen werden in zehn Jahren nicht mehr den Arbeitsplatz haben, mit dem sie heute ihren Lebensunterhalt bestreiten. Haben wir für die Veränderungen in der Wirtschaft ausreichend Weiterbildungskapazitäten? Wo stehen Stadt und Kreis in der Verantwortung, wo muss die Wirtschaft mehr tun? Wir werden genau dieses Thema anpacken, weil es viele Tausend Menschen mit ihren Familien in Lüdenscheid betreffen wird. Deswegen werden wir nach den Sommerferien einen großen Antrag zu Digitalisierung und Industriearbeit in den Rat bringen.

Die Lebensqualität muss sich in unserer Stadt ganz sicher verbessern, damit sich mehr Menschen dafür entscheiden, hier zu leben oder hier wohnen zu bleiben. Ein Blick in die Wohnungsportale genügt, um zu sehen, dass der Wohnungsmarkt für Familien verbesserungswürdig ist. Der Vergleich mit anderen Regionen zeigt, dass die Anbindung an den Nahverkehr verbessert werden muss, um mehr Leben in die Stadt zu bekommen. Lüdenscheid muss mehr damit werben, welch tolle Umgebung diese Stadt hat. Und warum sollte man nicht darüber nachdenken, zum Beispiel die Hokühler Bucht an der Versetalsperre für Schwimmerinnen und Schwimmer zu öffnen? Wie kann man das Stadtmarketing verbessern, um mehr Menschen in unsere Stadt kurzzeitig oder dauerhaft zu holen? Lasst uns den Ideen freien Lauf geben.

Die Visionäre haben viele gute Vorschläge auf den Weg gebracht. Die SPD Lüdenscheid hat sich vor einigen Monaten angeschaut, welche Forderungen aus unserem Wahlprogramm aus dem Jahr 2014 zu den Visionen passen. Und dabei fiel auf, dass einiges schon bei uns auf der „To-Do-Liste“ stand – vom niedrigpreisigen Beherbergungsbetrieb am Bahnhof bis zur Vergrößerung der Zielgruppen unserer Kultureinrichtungen. Wir konnten manche Sachen noch nicht auf den Weg bringen, weil uns das Haushaltssicherungskonzept ein enges Korsett gibt. Für manches wird allerdings auch privatwirtschaftliche Initiative notwendig, weil die Stadt eben kein Hotelier ist. Wir haben uns aber darauf verständigt, bis ins nächste Jahr jede offene Forderung aus unserem Programm – zwei Drittel sind bereits abgearbeitet – noch auf den Weg zu bringen.

Seit einiger Zeit existiert nun die Forderung nach einem Masterplan für die Stadt Lüdenscheid. Eine Fraktion im Rat fordert dies immer wieder, fordert aber dann andere auf, diesen Plan zu entwickeln und bringt selbst keine eigene Idee bis dato ein. Die SPD unterstützt die Auffassung des Bürgermeisters, eben keinen Masterplan für alles und damit für die Schublade zu entwickeln, sondern Ideen und Tatkraft in die Tagespolitik einfließen zu lassen. Maßstab für die Politik der SPD Lüdenscheid ist das 2014 entwickelte Wahlprogramm und die Ergänzung des Papiers „Eine Stadt für alle“ aus 2016. Unser Programm war das inhaltliche Versprechen an die Bevölkerung und ist entsprechend auch der Maßstab für die Bewertung unserer Arbeit.

Lüdenscheid hat sich in den vergangenen Jahren trotz Haushaltssicherungskonzept gut entwickelt. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass unsere Stadt Hochschulstandort mit Wachstumspotenzial werden könnte? Dass wir die Reaktivierung der Zugstrecke nach Köln bekommen werden? Dies haben wir geschafft, weil politische Entscheidungsträger eben auch die Gunst der Stunde genutzt haben. Sicher: Wir werden vorbauen müssen und zumindest Ideen entwickeln, wie wir das Leben der Menschen in unserer Stadt unterstützen können. Und da, wo Stadt und Politik Mitwirkungsmöglichkeiten haben, sollen diese auch genutzt werden. Fakt ist aber auch: Diese Möglichkeiten werden bereits genutzt.

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