02 August 2010 ~ 1 Comment

Album der Woche: Rod Stewart – Vagabond Heart

Das Plattencover zum Album "Vagabond Heart" (Warner Bros.)

In naher Zukunft, hoffentlich ein bisschen zügiger als leider erwartet, werde ich die beiden Blogs – “Ferbian” und diesen hier – zusammenführen.  Dieser Artikel leitet eine Textreihe ein, die ich hoffentlich auch in der entsprechenden zeitlichen Aneinanderrreihung hier reinstellen werde wie erhofft. Demnächst werden dann auch Lyrik und Videos neben den “normalen” Blogtexten, die hier ja vergleichsweise selten erscheinen, hier zu finden sein.

Das erste Album der Woche ist “Vagabond Heart” (erschienen 1991 bei Warner Bros. Records) von Rod Stewart. Es ist das erste Musikalbum, das ich persönlich von meinem Taschengeld gekauft habe. Wenn man sich überlegt, dass das 1993 war, als ich die erste Klasse besuchte, mag man sich vor Augen führen, wie lange dieses Ansparen wohl gedauert haben mag. 34,99 DM kostete diese CD bei Saturn Hansa in Lüdenscheid. Für einen gerade Siebenjährigen eine Menge Holz. Zumal ich diese Platte nicht für mich, sondern als Weihnachtsgeschenk kaufte. Dass dies bis heute nicht ordentlich respektiert wird, ist sowohl mir als auch dem Album gegenüber maßlos frech. Kein Wunder, dass ich relativ früh entschied, diesen Longplayer aus dem CD-Regal meiner Eltern zu holen und bei mir zu bunkern.

Viele Kritiker, sogar die Kritikpäpste der Rock-Gilde vom “Rolling Stone“, überschütteteten und überschütten weiterhin “Vagabond Heart” mit viel Lob. Diese wird vor allem aber mit Rod Stewarts teilweise missglückter Experimentierfreudigkeit in den Achtzigern und dem Kontrast dazu durch das Album von 1991 begründet. Tatsächlich konnte man dem 1945 in London geborenen Briten, der sich seit jeher Schottland, Celtic und schönen Frauen verpflichtet fühlt, nicht genau folgen, was dessen musikalische Hinterlassenschaft von 1980 bis 1990 betrifft. Alben wie “Every Beat Of My Heart” (in den USA: “Rod Stewart”, 1986), “Out Of Order” (1988) jedoch mit den Versuchen der Früh bis Anfang-Mitt-Achtziger wie “Body Wishes” oder “Camouflage” zu vergleichen, schlägt auch fehl. Gerade “Out of Order” und die dazu gehörigen Session-Aufnahmen (im letzten Jahr unter dem Titel “The Rod Stewart Sessions 1971-1998” veröffentlicht)  erschließen den Weg, an dessen Ende “Vagabond Heart” steht. Nicht umsonst sind die Unterschiede zwischen dem 1988 aufgenommenen, bis 2009 unveröffentlichten, “Love Is A Four Lettered Word” zum “No Holding Back” auf “Vagabond Heart” nicht allzu zahlreich. Ganz zu schweigen die Motown-Adaptionen auf “Out of Order” wie “Nobody Wants You When You’re Down And Out”. Zwar klingt “Out Of Order” oft steril, es war dennoch ein gutes Album. Die fatal schlechte Bewertung des Albums “Every Beat Of My Heart”, das wohl das letzte von Rod Stewart, das seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu mit eigenen Texten belegt (“Here To Eternity”, “Red Hot In Black”) und mit einem phänomenalen Beatles-Cover (“In My Life”) abgerundet wird, ist ebenso nicht nachzuvollziehen.

Aber nun zu “Vagabond Heart”: Der 1991 erschienene Longplayer ist der letzte, auf dem noch ein beachtlicher Teil durch Eigenkompositionen beigesteuert wird. Das Herz des Vagabunden als Leit-Thema des Albums begleitet mit Ausnahme des “Motown Song” jedes Lied auf der Platte. Gerade das Cover von Tom Waits’ “Downtown Train” passt zur Rastlosigkeit des Albums. Die übrigen Lieder, die aus fremder und nicht stewarteigener Feder stammten, lassen sich ebenfalls unter dem Obersatz des “Vagabond Heart” subsumieren. Vom “Broken Arrow” (das im Übrigen als Single ausgekoppelt wurde, deren Verkaufserlös in Gedenken an den verstorbenen Freddie Mercury einem AIDS-Hilfsfonds zu Gute kam) bis zu Van Morrisons “Have I Told You Lately” geht die Bandbreite – durchaus stimmig.

Die Eigenkompositionen runden das Bild des vagabundierenden Erzählers ab. Die anfängliche Verliebtheit, der Rückblick auf eine Romanze, Tanzen gehen, daten, Gas geben, mit Traurigkeit zurückschauen – alles ist vertreten. Während “No Holding Back” dazu ermutigt, für sein Herz zu kämpfen, schaut “If Only” zurück, ob zu viel Emsigkeit nicht auch hinderlich sein könnte. Selbstironisch wird in “Moment Of Glory” der Moment des Fremdgehens thematisiert – man riskiert eine ganze Beziehung für just einen “Moment of Glory” – für den vermeintlich goldenen Schuss.

Mit Balladen wie “Broken Arrow” oder “Have I Told You Lately” und fast nostalgisch-röhrend wirkenden Rocknummern wie “Moment of Glory” bietet Rod Stewart seine ganze künstlerische Bandbreite. Begleitet von seinen Langzeit-Begleitern Jim Cregan und Kevin Savigar sowie seiner Tourband um Chuck Kentis und Jeff Golub wirken die Lieder sowohl musikalisch als auch textlich-inhaltlich stimmig. Das Duett “It Takes Two” mit Tina Turner und der “Motown Song” zeigen Rods Vorlieben für den guten alten Soul. Kurzum: Ich habe den Kauf dieser CD auch siebzehn Jahre später nicht ein einziges Mal bereut.

Vagabond Heart comes across as a personal testament — deeply felt, honestly affecting. – Rolling Stone, 1991

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