19 August 2012 ~ 0 Comments

Ben Wisch

Am Tag, an dem Hans-Jürgen Wischnewski (“Ben Wisch”) starb – genauer gesagt am 24. Februar 2005 – hatte ich eine Fahrstunde. Mein Fahrlehrer hielt nach der Todesnachricht im Radio eine längere Rede über “Politiker von früher” und dass man “auf Leute wie Ben Wisch” noch hätte vertrauen können. Unvergessen bleibt Wischnewskis Verhandlungsgeschick im “Deutschen Herbst”, als er sich im Auftrag Helmut Schmidts darum kümmerte, dass die GSG 9 in Mogadischu die gekaperte Lufthansa-Maschine “Landshut” in Beschlag nehmen durfte.

Ich erinnerte mich an diese Begebenheit am gestrigen Abend. Die Lüdenscheider SPD fuhr – wie im letzten Jahr – zum Dortmunder Lichterfest im Westfalenpark und wartete am untersten Eingang des Westfalenparks auf den Reisebus. Dort wurden wir zu Beginn auch abgesetzt. Im letzten Jahr stellte es kein Problem dar, vom Reisebus an der entsprechenden Stelle abgeholt zu werden. In diesem Jahr, versicherte uns der Leiter der Sicherheitsfirma, sei dies erst ab 0 Uhr möglich. In Abstimmung mit den Dortmunder Sicherheitsbehörden und der Dortmunder Polizei habe man in puncto Sicherheitskonzept beschlossen, das so zu gestalten. Hätte man uns davon vorher unterrichtet, wäre das auch nicht weiter ein Problem gewesen.

Nun saßen wir aber mit zum Teil über 80-jährigen Mitfahrerinnen und Mitfahrern da unten und warteten seit ca. 23 Uhr auf den Bus. Bis 0 Uhr vertröstete uns der Security-Mann. Danach sollte es wieder gehen. Pustekuchen: Auch um 0 Uhr durften keine Fahrzeuge den Hügel hinunterfahren. Der Bus stand auf der anderen Seite der B54. Das war über ein Kilometer Fußweg. Da einige der Reisenden erschöpft waren, wollte man auch nicht weiter etwas riskieren.

Während die Leute am Parkplatz blieben, entschloss ich mich, zur Straßensperrung zu laufen und das Gespräch mit den Ordnungsbehörden zu suchen. Ich fühlte mich in dem Moment wie “Ben Wisch”. Zunächst zeigte ein Polizist Verständnis für die von mir dargestellte Lage. Sein – offensichtlicher – Vorgesetzter klinkte sich aber schnell ein und gab unmissverständlich zu verstehen, dass man hier keine Ausnahmen machen könne. Schließlich, so der Oberpolizist, würde man die Autos im Rückverkehr zweispurig zurückleiten von ihren Parkplätzen. Also sei kein Platz für einen entgegenkommenden Bus. Ich behaupte: Auch ein einspuriger Rückverkehr wäre möglich gewesen.

Aber dann setzte der Polizist dem Ganzen noch die Krone auf. Denn: Wer mit dem Bus zum Lichterfest fahren würde, sei bescheuert. Hier dachte ich mir: Okay, das nächste Mal laufen wir zu Fuß von Lüdenscheid nach Dortmund. Und: Wer stundenlang durch den Park laufen kann, kann auch die Strecke über die Fußgängerbrücke zum Reisebus laufen. Dass ein Teil der Leute tatsächlich nur im unteren Bereich – in Nähe des späteren Feuerwerks – unterwegs war, interessierte den Mann nicht. Ich hätte nun noch ein paar flotte Sprüche raushauen können, entschied mich aber für den Abzug aus dem Krisengebiet. Ich muss wohl an meinem diplomatischen Geschick arbeiten – oder die Dortmunder Polizei an Freundlichkeit. Keine Ahnung.

Um 0:55 erreichten wir dann – fast zwei Stunden in Verzug – unseren Bus und fuhren zurück in die Bergstadt.

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