05 August 2011 ~ 0 Comments

Hat das Fernsehen ausgedient?

Wenn man der aktuellen Berichterstattung glauben darf, ist bald Schluss für den Qualitätssender der deutschen Fernsehlandschaft, 9live. Der Hot Button schreckt also auch vor den Besten nicht zurück. Schade! Seitdem ich von dieser Nachricht Kenntnis genommen habe, umtreiben mich doch einige Sorgen: Wer löst jetzt zum zehntausendsten Mal beim Städtequiz, dass “Garbumdeg” ein Anagramm für Magdeburg ist und “Angelscheinkur” für Recklinghausen? Was machen nun die Leute, die jeden Abend auf die Trickkiste der Fernsehmacher reingefallen waren und angerufen hatten, bis der Hot Button zuschlug? Die tatsächlich geglaubt haben, dass kein anderer auf die Lösung gekommen war, dass eins plus eins mal zehn elf ergeben – obwohl die zahlreichen Anrufer (vermutlich der Sendeleiter und dessen Praktikantinnenschar), die vorher drankamen, auf ganz andere Lösungen vorschlugen? Was geschieht mit Jürgen Milski? Ist er jetzt etwa wieder auf Zlatko hingewiesen? Löst der Sendeschluss für 9live eine Epidemie aus, weswegen auch die Sport1-Quizshow vor Mitternacht eingestellt werden muss, die von irgendwelchen Pornodarstellerinnen moderiert wird? Ich weiß es nicht – und das macht mir Angst. Wirklich!

Im Ernst: 9live hätte wohl längst von der Medienaufsicht zum Schwarzen Kanal erklärt werden müssen. Dass dieser Kanal offensichtlich einen Freifahrtschein zur Verarsche der Massen hatte, ist kein Qualitätszeugnis für die deutsche Medienaufsicht. Diesen Eindruck lindern auch nicht die zahlreichen Strafgelder, die der Sender aufgrund der zahlreihen Regelverstöße zahlen musste. Fest steht: Dem Zoo, den wir über Kabel, Satelit und Antenne und demnächst ausschließlich digital von unseren Wohnzimmern aus besuchen, gehen die Attraktionen aus. “Mitten im Leben” hat seinen Charme verloren, seit irgendein Laiendarsteller für seine Freundin Spaghetti nach altem Hausrezept auf seinem Bauch serviert hat. Und die Labore der Privatsender haben es immer noch nicht geschafft, die Deutsche Küchenschabe mit einer Maus zu kreuzen, damit Christian Rach von einer neuen Ekelheit aus Deutschlands Restaurantküchen berichten kann. Oliver Geissen, damit begann der Niedergang, talkt schon lange nicht mehr über Vaterschaftstests und faule Arbeitslose.

Was kann den Quotenjägern nun noch helfen? Vielleicht sollte man Joey Kelly überreden, wahlweise ein Jahr in einem Wolfsrudel zu leben oder in der Kölner Innenstadt in der Nase zu popeln. Über die Zweitverwertungsrechte könnte RTL dann auch noch die vermeintlichen Konkurrenten SAT1, Pro Sieben und Kabel 1 beteiligen. Und zum Abschluss wird dann gefilmt, wie der größte Abenteurer der Kelly-Family aus seinem Survival Kit eine Socke auspackt, um daraus Pudding zu essen. Der Pudding, freilich, wurde auf der Grundlage eines Instant-Pulvers in Verbindung mit Wasser aus dem fast ausgetrockneten Teich, der zur Rechten dahinsiecht, von Kelly mit einem Zweig zusammen gerührt. Köstlich.

Sollte Joey Kelly während der Aufnahmen mal aufs Klo müssen, könnte seine Schwester ja eine Tanzeinlage zum Besten geben – oder Vera Int-Veen befragt derweil den Hauptwolf, warum der letzte Wald, in dem er mit seinem Rudel hauste, heute noch so verwüstet aussieht.

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