10 Januar 2014 ~ 1 Comment

Jetzt schreibt er auch noch ein Buch…

Anhand der Suchanfragen kann man ja leicht feststellen, was die Seitenbesucher zumindest an dieser Seite interessiert. Was weiß man schon über mich? Und vor allem: Was weiß man wirklich? Okay, Google offenbart vieles. Wenn man in Sachen Credibility also auf die ersten Google-Ergebnisse zu einer Person setzt, habe ich wohl verloren. Aber was kümmert es mich? Richtig: Eher wenig.

Zum Thema: Manch einer mag glauben, ich stehe morgens in einem roten Schlafanzug auf, lese Zeitung und andere Nachrichtenlage im Internet und springe auf wie ein Kastenteufel – diesen Vergleich hat es tatsächlich schon mal gegeben -, wenn mir dann mal was nicht gefällt. Weit gefehlt.

Einen großen Teil meiner Freizeit wende ich für etwaige politische Aktivitäten auf. Nebenbei muss ich mich noch ein bisschen darum kümmern, Geld zu verdienen und andere Dinge zu Ende zu bringen. Oder hauptsächlich? Manchmal verwischt das doch ein bisschen.

Am liebsten bin ich aber unterwegs. In dunklen Läden, am liebsten gleich mehrere hintereinander, mit guter Musik im Hintergrund. Musik ist so eine weitere Leidenschaft, die läuft eigentlich überall. Nirgends aber fehlen mir Heft und Stift, um zu schreiben. Kurzgeschichten, politische Kommentare (einiges landet hier auf dieser Seite), Gedichte. Manchmal bleibt dann doch mehr Text hängen als beabsichtigt. Was macht man dann?

Schalten wir zurück ins Jahr 2010: Ich hatte gerade einige mehr oder weniger zusammenhängende Kurzgeschichten in einem Skript zusammengefasst (man findet es auch auf dieser Seite). Manche Geschichten passten aber nicht zu den anderen. Also blieben sie auf Halde. In dem Jahr hatte ich viel mit Ausstieg/Aussteigern, komplizierten persönlichen Geschichten zu tun – und Teile dieser neuen Musik haben mich tierisch aufgeregt. 2009/2010 hatte ich zudem einige Autobiografien dieser ganzen Musiker “vor meiner Zeit” gelesen. Keith Richards und Ronnie Wood waren dabei. Viele spannende Geschichten, die man heute so vielleicht nicht mehr erleben kann.

2011 standen dann drei Reisen für mich im Sommer an. Das IUSY-Zeltcamp am Attersee, eine Fahrt nach Ungarn mit meinem Großvater und ein Sommertrip nach England. Auf dem Zeltcamp musste ich an einer Seminararbeit im Sozialrecht schreiben und klinkte mich morgens und mittags immer aus dem Programm aus, saß in der Kantine an der ersten Steckdose. Lesen, textmarkern und schreiben standen auf dem Programm. Nebenbei lief Musik auf meinen Ohren. Zwischen den ganzen Aufsätzen zu Pflegetransparenzvereinbarungen und Normverträgen kamen mir Ideen für Textfragmente. Die Idee, etwas über Aussteiger zu schreiben, hatte ich ja nur aufgeschoben. Nach und nach kamen wirklich gute Seiten zusammen. Abends, neben Sozialismus, Bella Ciao und Obstler war keine Zeit zur Fortsetzung.

Dann ging es nach Ungarn. Mein Großvater wollte noch einmal dorthin, wo er im Krieg als Kind des bombardierten Ruhrgebiets friedlichen Unterschlupf gewährt bekam. Ich fuhr ihn dorthin, auf der Hinfahrt mit dem Zwischenstopp Passau. Nach ein paar Grappa im Ristorante ging es zurück in die Hotelzimmer. Ich nutzte die Gelegenheit, und schrieb ein paar Stichwörter auf. In Ungarn – genauer: in Véménd – angekommen, nutzte ich den einen oder anderen freien Nachmittag und schrieb im Garten oder im Zimmer ganze Seiten voll mit Rohmaterial, das in “Stoneblues – Blues aus Steinen” abgedruckt ist.

Ein paar Wochen später war ich in England. Mindestens an einem Tag geht es immer nach London, wenn ich auf der Insel bin. In den letzten Jahren war ich ein paar Mal dort und habe die olympiabedingten Veränderungen mitbekommen. Ich lief meine Sohlen ab, um alles mögliche dort zu sehen. Ja, Museen standen auch mal auf dem Programm. Mein Ziel waren aber eigentlich die Leute, die da tagtäglich zur Arbeit gehen – im besten Fall weit weg von den Finanzhaien der City of London. Im Hyde Park, auf den Zugfahrten nach London und zurück nach West Sussex spann ich Geschichten.

Zwischen damals und heute standen ein spannender Landtagswahlkampf sowie ein mühsamer Bundestagswahlkampf.  Beide Male hatte ich mehr oder minder hauptamtlich Aufgaben übernommen, um die Wahlkämpfe vor Ort zu organisieren. Studium, andere Verpflichtungen und gewerkschaftliche Seminare standen dazwischen auf dem Plan und unterbrachen immer mal wieder den Schreibfluss. Schreiben ist eben doch nur mein Hobby.

Dann wurde die Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau in Lüdenscheid geschlossen. Den Zeitungstitel gibt es heute nur noch auf dem Papier, die Lüdenscheider Ausgabe ist Geschichte. Ich erinnerte mich zurück an die Zeit, in der ich als Schüler und gelegentlich noch als Student für diese Zeitung schreiben durfte. Meistens durfte ich raus, um über Konzerte in den heimischen Clubs zu schreiben. Wenn mehr oder weniger bekannte Bands aufgetreten waren, durfte ich sie “backstage” interviewen. Einheimische Bands habe ich für die Jugendseite Cocktail im Proberaum besucht. Manche Truppe, mit der ich sprechen durfte, war mehr on the Road als zuhause. Man sah den Jungs – und gelegentlich auch Mädels – an, dass sie absolut ausgepowert gewesen waren. Trotzdem lieferten fast alle Shows ab, denen man diesen Zustand nicht anmerken konnte. Einige standen kurz vor dem Absprung, wirklich berühmt zu werden. Bis auf eine Gruppe hat es keine geschafft.

Wieder ins Jahr 2010: Auf meiner Geburtstagsfeier bekam ich von einigen Leuten unter anderem eine Mundharmonika geschenkt. Manchmal strandet man und kriegt keinen Anschlusszug mehr. Ich habe schon die eine oder andere Nacht an Hauptbahnhöfen im Ruhrgebiet verbracht. Selbstredend habe ich, wenn ich mit der Bahn unterwegs bin, in der Regel eine Mundharmonika dabei.

Was das alles miteinander zu tun hat? Spätestens mit meinem Flashback in meine Rundschau-Zeit wusste ich, wie ich meine Geschichte rund bekommen könnte. Die Erzählung handelt von einem jungen Mann aus gutem Elternhaus, der sich mit diesem nicht unbedingt identifizieren kann und auf eigenen Beinen stehen will. Er zieht 2002 nach Dortmund, um zu studieren. Nach mehreren Anläufen ergattert er eine Mietwohnung in der Nordstadt. Die junge Vermieterin wirft ein Auge auf den jungen Mann, man kommt schnell zusammen.

Diese Beziehung und andere Faktoren führen dazu, dass der Protagonist nicht nur sein BWL-Studium, sondern in der Folge auch Sozialwissenschaften und Jura an die Wand fahren wird. Er erwischt seine Vermieterin mit einem Professor im Bett. Genug gedemütigt, sucht er einen Ausweg. Paul entscheidet sich für eine Maurerlehre. Die schließt er zügig ab und geht dann, ein Kollege hat ihm den Tipp gegeben, auf Wanderschaft.

Auf Wanderschaft durchläuft er einige Stationen in Europa. Hier und da werden zeitgeschichtliche Ereignisse aufgegriffen. Er schreibt Texte, spielt Mundharmonika. Landet unter anderem in Marseille, an der Costa Brava, in Neapel, Prag und London. Hierhin wird er später noch einmal zurückkehren.

In Braunschweig und Berlin stößt Paul auf eine Band, die Vagabonds, mit Frontfrau Charlotte “Lotta” Kriens. Drei Jahre und ein Tag sind vorbei, als Paul in Köln die Tippelei beendet. Er wird Teil der Vagabonds und singt mit Lotta. Beide schreiben Texte, tüfteln Ideen aus, wie man berühmt werden kann. Und verlieben sich ineinander. Ob das alles so gut bleibt? Das und noch viel mehr ist im Buch nachzulesen. Geschrieben ist es als Bericht / Biografie eines fiktiven Musikjournalisten, der Paul und die Vagabonds bis zu einem gewissen Zeitpunkt begleitet hat.

Es war einiges an Recherche nötig, um den Werdegang vom Maurerlehrling bis zum Wandergesellen darstellen zu können. Aber es hat großen Spaß gemacht. Etwas mehr als drei Jahre – wenn man die ersten Gedanken als Startpunkt setzt – stecken in diesem Buch. Deswegen wollte ich es auch nicht nur für mich behalten. Es mag nun kritische Stimmen geben, weil ich es über BoD publizieren lasse und nicht über einen “klassischen Verlag”. Ich glaube aber, dass der Inhalt des Buchs ganz gut zu dieser Art und Weise der Veröffentlichung passt.

Marcel Reich-Ranicki meinte einmal sinngemäß, dass Bücher nur dann gut seien, wenn sie gewissermaßen autobiographische Züge vorweisen. Hier und da mag ein Erlebnis mit meinen eigenen Erfahrungen gespickt sein. Autobiographisch mögen vielleicht Herangehensweise an die Themen und die einen oder anderen Utensilien verknüpft sein. Aber ich will nicht zu viel verraten.

In diesem Buch finden sich unter anderem Abenteuer, Liebesgeschichte(n), Musik, Gesellschaftskritik, alte Arbeiterkultur und Fernweh wieder. Für jeden ist etwas dabei. Wer Spaß an neuen Geschichten hat, ist eingeladen, auf diese Reise über 250 Seiten mitzugehen!

Fabian Ferber
Stoneblues. Blues aus Steinen.
Reise durch eine vergessene Welt.

17 Euro (Print), 12,99 Euro (E-Book)
ISBN978-3-7322-9656-9

Bestellbar im Buchhandel. 

PS:
In manchen Online-Buchhandlungen mag stehen, dass das Buch nicht auf Lager sei. Da ich es über Books on Demand publizieren lasse, ist das nicht verkehrt – weil das Buch in der Regel erst bei Bestellung gedruckt wird. Wenn viel bestellt wird, wird auch auf Lager bestellt. Wer macht den Anfang? :)

Eine Antwort to “Jetzt schreibt er auch noch ein Buch…”

  1. Alex 10 Januar 2014 at 21:09 Permalink

    Coole Sache! :)


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