24 Juni 2010 ~ 0 Comments

Nationalmannschaft: Es passt nicht

Das gestrige Spiel der deutschen Nationalmannschaft hat die Schwächen der DFB-Elf (inklusive des Trainerstabs) klar aufgezeigt. Obwohl Einsatz und Wille der Auswahl stimmten, präsentierte sich die Mannschaft – und auch Jogi Löw – vor allem im taktischen Bereich schwach.

Während Sami Khedira noch nach dem ersten Spiel für seine offensive Interpretation des “Sechsers” gelobt wurde, fand Khedira in den Gruppenspielen zwei und drei aufgrund dieser Positionsauslegung nicht statt. Dies band den anderen “Sechser”, Bastian Schweinsteiger, zu sehr an defensive Aufgaben. Zu oft war Schweinsteiger letzten Endes nur Ausputzer für die Fehlpässe, die in den Reihen vor ihm gespielt wurden. Auch der Spielaufbau litt unter dem schlechten Spiel Khediras. Die Einwechselung von Toni Kroos für den lädierten Schweinsteiger sollte sowohl der offensiven Mittelfeldriege als auch Sami Khedira eine Warnung sein: Die Bank ist mindestens genauso gut besetzt wie die Start-Elf.

Per Mertesacker, in der Regel Testsieger bei der Stiftung Warentest in puncto Stellungsspiel und Zweikampfverhalten, hatte auch in diesem Spiel schweren Stand. Bereits in der Vorbereitung unterlief der Bremer mehrfach hohe Bälle und zeigte im Kopfballspiel ungewohnte Schwächen. Der beste deutsche Innenverteidiger steckt im Formtief – der Betreuerstab um Jogi Löw konnte hier keine Abhilfe verschaffen und vertraut Mertesacker trotzdem blind. Hier könnte sich die Nicht-Nominierung von Mats Hummels noch als Fehler erweisen. Nach den letzten beiden Gruppenspielen bräuchte Per Mertesacker eine Pause. Vielleicht schlägt nun doch die Stunde des gelernten Innenverteidigers Holger Badstuber.

Immer wieder wurde versucht, über die rechte Außenbahn für Druck zu sorgen. Die ersehnten Flanken vom Flügel unterblieben jedoch. Wen hätten sie auch erreichen sollen? Sowohl Mesut Özil als auch Cacau als Anspielstationen in der offensiven Mitte sind keine Kopfballspieler. Gestern zeigte sich, wie wichtig Miroslav Klose für die Nationalmannschaft ist. Umso schlimmer, dass es genau Klose ist, der sich selbst als Option für das Offensivspiel der Nationalmannschaft mit dummen Fouls abgeschossen hat.

Joachim Löw hätte hier auf Mario Gomez oder Stefan Kießling vertrauen müssen. Vor allem der beste deutsche Bundesliga-Torschütze aus Leverkusen hätte das Vertrauen verdient gegen die Ghanaer. Solange Löw aber auf ein 4-5-1 vertraut, scheint für beide kein Platz zu sein. Dabei wäre es notwendig, bei der Systemwahl auf den Gegner zu achten. Auf dem Platz fehlte ein zweiter Stürmer. Gegen die Ghanaer hätte man auf den zweiten “Sechser” verzichten können – oder auf Lukas Podolski als linkem Flügelspieler. Über diese Seite funktionierte selten ein Spielzug – weil auch kaum der Weg über die Linke gesucht wurde. Podolski hätte stattdessen in der Spitze spielen können – als zweiter Stürmer. Dahinter hätten sowohl Müller als auch Özil auf den Halbpositionen Flügel und Mitte gleichzeitig bedienen können.

Jerome Boateng eröffnete selten Spielzüge nach vorne und ließ sich einmal schwer als Linksverteidiger lumpen und ließ ohne Not eine Flanke zu. Marcell Jansen wurde später für Boateng eingewechselt. Zwar zeigte Jansen, dass man als Außenverteidiger durchaus auch Akzente nach vorne setzen kann. Das Zusammenspiel mit Podolski funktionierte jedoch auch mit ihm nicht.

Joachim Löw wählte das falsche System und setzte mit zwei frühen Substitutionen in der zweiten Hälfe auf Risiko. Neben Bastian Schweinsteiger wirkten auch Mesut Özil und Cacau am Ende angeschlagen. Die Auswechselung von Thomas Müller für Piotr Trochowski war unnötig.

Gestern gewann die Nationalmannschaft wie eine Weltmeistermannschaft. Die Engländer, auf die die DFB-Elf nun im Achtelfinale treffen wird, wird auf die Fehler der Deutschen jedoch anders reagieren als die Ghanaer. Dafür ist die Offensiv-Abteilung der Drei-Löwen-Mannschaft alleine besser besetzt.

Hinterlasse einen Kommentar