22 April 2011 ~ 0 Comments

Neuer

Die letzten Tage waren für die Schalker wirklich bewegend. Ihr 25-jähriges Urgestein Manuel Neuer erklärte nach langem Zögern und Schweigen gestern nun, dass er Schalke 04 spätestens 2012 verlassen würde. Wohin die Reise gehen soll, will man nicht sagen. Glaubt man allerdings den zahlreichen Berichten der Journaille, läuft es auf den FC Bayern hinaus. Neuer, der seines Zeichens immer damit prahlte, mit den Schalker “Ultras” in der Nordkurve gestanden zu haben, verlässt damit den Verein, dem er nach eigenem Bekunden viel zu verdanken habe. Seine Tränen – manche unterstellen dem Bundestorhüter ein Schauspiel – zeigen in meinen Augen schon, dass diese Entscheidung wohl nicht leicht fiel. Aber es wäre vermessen zu glauben, dass ein Profi-Torwart immer noch die Welt des Fußballs aus der Ultra-Perspektive betrachtet.

Manche regen sich nun auf und meinen, dass es kein Problem gewesen wäre, wenn Neuer ins Ausland ginge. Dort sind allerdings auch in den letzten Wochen Fakten geschaffen worden. Bei welchem Verein sollte Neuer denn spielen, ohne eine gewisse Konkurrenz im Nacken zu spüren? Gewiss: Sein Verhalten gegenüber den Bayern-Fans (Lauf zur Eckfahne) macht den möglichen Transfer zu den Münchnern komplizierter. Aber das kann das abstoßende Verhalten der Ultra-Gruppe “Schickeria” gegenüber der Vereinsführung nicht begründen.

Auf Transparenten bezeichneten die selbsterklärten “Fans”, dass Uli Hoeneß ein Lügner sei. “Neuer im Tor ist wie Manager Lemke und Trainer Daum für dich”  – so und anders skandierten die Angeschickerten Richtung Bayern-Präsident. Eine Unverschämtheit, die von besonnenen Anhängern des FC Bayern mit der Aktion “Mia san Uli” zumindest ein wenig abgelindert wurde. Die Frage ist aber berechtigt: Was bringt eigentlich diese Ultra-Szene dem Fußball? Also, außer Becherwürfe auf Spieler, Ärger im Stadion und “Fans”, die andere daran hindern, ein Fußballspiel zu schauen? Anstatt ihre Mannschaft anzufeuern, veranstaltet die “Schickeria” vor der Getränkeausgabe eine Demonstration gegen Stadionverbote. Und das in einer Saison, in der die Münchner die Unterstützung ihrer Anhänge benötigen. Sie regen sich darüber auf, dass sogenannte “Edel-Fans” die Stimmung im Stadion ruinierten (Ulis großer Auftritt dazu hier) – aber was können sie selbst? Ich bin Anhänger des FC Bayern München und bin auch nicht mit jeder Entscheidung einverstanden (z.B. die Berufung von Jürgen Klinsmann als Trainer oder die lange Tortur bis zum Rausschmiss von Van Gaal). Aber diese Ultras überspannen den Bogen. Sie sollen mir mal erklären, welcher Ur-Bayer “Koan Neuer” aussprechen würde.

Natürlich sind die Fans des FC Bayern nicht mit den Anhängern der Gruftkicker Rostock, 1860 oder Rot Weiss Essen vergleichbar. Wenn ich den Begriff “Bayern-Ultras” schon höre, beginne ich leicht den Kopf zu schütteln. Ultras bei den Bayern – das ist ja wie wenn es nun auch eine Kommunistische Plattform bei der CSU mit Sahra Wagenknecht an der Spitze gäbe. Das sollte die “Schickeria” auch einmal einsehen. Der FC Bayern ist primär keine Talentschmiede (auch wenn eine beachtliche Zahl junger Bayern-Eigengewächse in der ersten Mannschaft spielt) und wenn der beste Torwart der Welt zur Verfügung steht, dann muss man ihn holen. Neuer ist nun 25. Zum Vergleich: Oliver Kahn war es 1994 auch, als er zu den Bayern wechselte. Manuel Neuer kann genauso gut noch 14 Jahre auf hohem Niveau spielen. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Wenn Neuer kommt, ist das auch ein Zeugnis dafür, dass der deutsche Fußball Top-Spieler in seinen Reihen halten kann. Sorry Schalke.

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