24 Dezember 2010 ~ 0 Comments

Stigmatisierung

Eigentlich wollte ich mich ja zurückhalten bei dem Thema – vor kurzem aber hat mich ein Mediziner angeschrieben und als Anlass meinen Blog-Artikel zum Welt-AIDS-Tag genommen. Er meinte, dass es für ihn Gründe gebe, eben den “Red Ribbon” (also die AIDS-Schleife) nicht zu tragen, unter anderem sei es auch die Arbeit der AIDS-Hilfe.

In den letzten Jahren habe ich mich immer an Spendenaktionen oder ähnlichem für die AIDS-Hilfe beteiligt. Ich kenne Personen, die mit dem ganzen Thema ziemlich locker umgehen und auch gerne den schnellen Verkehr “ohne” mitnehmen. Auch deswegen ist es wichtig, auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Weil die Ansteckung durch sexuellen Kontakt einfach unnötig ist. Normalerweise müsste man den Leuten – trotz PISA - hier in Deutschland so viel Intelligenz unterstellen können, damit man vor allem denen die Aufmerksamkeit widmet, die vollkommen unverschuldet “POSITIV” sind. Ich weiß für meinen Teil nicht, ob ich in den nächsten Jahren beim Spendensammeln und Rote-Schleife-Tragen weiter mitmachen werde. Ich kann keine Organisation unterstützen, die ernsthaft behauptet, man solle einem flüchtigen Sexkontakt nicht von der Infektion informieren.

Wichtig ist tatsächlich, dass man eine Stigmatisierung von HIV-Positiven im Keim ersticken lässt. Auch das ist eine der zentralen Aufgaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der selbst ernannten AIDS-Hilfe. Gerade die Polemik, AIDS sei weiterhin nur eine “Schwulenseuche”, ist widerlich und gehört nicht mehr in diese Zeit. BZgA und AIDS-Hilfe haben zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag durch eine groß angelegte Kampagne auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Diagnose “HIV positiv” eben nicht das sofortige Ende der Welt bedeutet. Die Protagonisten der Kampagne sind HIV-Positive, die mit der Krankheit ihren Alltag meistern. Die Männer der Kampagne sind alle homosexuell. Bei der Auswahl der Personen hat man wohl doch darauf geachtet, das Klischee zu bedienen. Wenn die AIDS-Hilfe das nächste mal die Stigmatisierung der Krankheit beklagt, ist das nicht mehr als Heuchelei. Sie stigmatisiert doch selbst.

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