29 April 2013 ~ 0 Comments

Thomas Gottschalk und die Steuermoral

Ja, dieser Tage passiert es offensichtlich oft, dass “Idole meiner Kindheit” sich endgültig verabschieden. Auf diesem Blog wurde Thomas Gottschalk nicht nur einmal als herausragender TV-Star erwähnt. Mit anderen war ich sogar der Meinung, man müsse ihn bei “Wetten, dass…?” als Showmaster behalten. Das interessiert natürlich die wirklich Wichtigen nicht, was hier geschrieben steht. Dafür interessiert es alle, was Thomas Gottschalk in der “Hoeneß-Affäre” zu sagen hat. Gestern traten CSU-Mann Erwin Huber, SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück, SZ-Innenpolitik-Chef Heribert Prantl und eben Gottschalk bei Günther Jauch an und diskutierten über den Uli Hoeneß’ Steuermoral, bayerische Finanzbeamte und noch mehr.

Gottschalk tat sich schnell als “Leistungsträger” hervor und betonte, wie viel Steuern er zahlen müsste und dass man eben Leute auch verstehen müsse, die irgendwann genug haben. Das passt natürlich zur Rhetorik, die er schon vor der Bundestagswahl 2009 an den Tag legte. Natürlich: Für ihn gibt es nur die eine Welt, in der sogenannte Leistungsträger sich gegen “Schmarotzer” wehren müssen. Und SPD-Politiker müssen sich eben entscheiden, ob sie dem demokratischen Votum ihrer Partei den Vorzug geben oder dem ewigen Ruf solcher Leistungsträger, wie Gottschalk einer sein will.

Ich möchte schnell zum Punkt kommen: Jemand, der sich darüber beklagt, möglicherweise zu viel Steuern zahlen zu müssen, sollte sich mal überlegen, wer ihm über Jahrzehnte hinweg ein gutes Einkommen beschert hat: Richtig, der Rundfunkgebührenzahler. Und die musste in der Zeit, in der Gottschalk noch kein abgehalfterter Showstar war, jeder in gleicher Höhe zahlen (bis auf ein paar Ausnahmen): Leistungsträger wie er, Putzfrauen und Maurer. Das ist ja quasi wie Steuerzahlen. Es sind die Gebührenzahler, die ihm und seiner Familie es irgendwann ermöglicht hatten, dass er abseits des deutschen Alltags mit seinem ganzen Schmarotzertum an der Westcoast bei all den Stars leben kann. Ohne den Gebührenzahler hätte es wohl auch keine Haribo-Werbemillionen gegeben.

Gottschalk trat bei weitem nicht so vehement gegen Steuerverbrecher auf wie zum Beispiel Prantl. Als Peer Steinbrück darauf hingewiesen hatte, dass der Einkauf von Steuer-CDs laut höchstrichterlicher Rechtsprechung keine Hehlerei und damit rechtmäßig sei, behauptete der Franke weiterhin, dass diese Praxis deutscher Behörden eben auch rechtswidrig seien. Es wäre aber auch unglaubwürdig gewesen, wenn Gottschalk hier deutlicher aufgetreten wäre: Schließlich ist das Hinzuverdienen durch eigentlich verbotene Schleichwerbung bei “Wetten, dass…?” nicht ganz so weit entfernt wie das Gehabe der Steuerverbrecher. Zumal die Werbegelder nicht ans ZDF geflossen waren, sondern in die Kasse der Produktionsfirma, die natürlich zum Gottschalk-Imperium gehörte. Schade, dass Günther Jauch diesen Zusammenhang seinem Duz-Kumpel Gottschalk am gestrigen Abend nicht nahe gebracht hat.

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