02 Dezember 2010 ~ 0 Comments

Zum Welt-AIDS-Tag

Es ist Welt-AIDS-Tag. Er findet im Abendprogramm nicht statt. Die ARD sendet um 0.35 Uhr (streng genommen also am 2. Dezember, im Fernsehzeitungskalender noch am Welt-AIDS-Tag) einen Film zum Thema – das reicht aber nicht aus. HIV und AIDS bleiben gefährlich und unheilbar. Nun gibt es Medien, die immer wieder darüber schreiben und senden, dass HIV und AIDS aus den Köpfen der Menschen verschwinden. Hierzu nur zwei Punkte:

  1. Das Thema ist auch nicht geeignet, von den Medien, die genau diesen schrecklichen Zustand monieren, ausschließlich am Welt-AIDS-Tag oder im Nachgang irgendwelcher Konferenzen von UNICEF, der WHO und anderen zum Thema zu berichten.

  2. Liegt dies nicht an der Arbeit in den Schulen. Es gibt wohl kein Phänomen, über das öfter und ausführlicher in allen Schulen gesprochen wird als HIV/AIDS.

Tatsächlich suggerieren die regelmäßigen Berichte über Forschungsfortschritte und über Medikamente, die den Ausbruch von AIDS verzögern können, dass das Ganze doch nicht so schlimm ist. Darüber hinaus gibt es auch Gruppen, die selbst mit der erkannten Gefahr leben können. Es genügt, einfach einmal im Internet die Begriffe “Bugchaser”, “Pozzer-Party”, “Bareback-Party” oder “AO Sex”  zu googlen. Auch ein Blick in die Wikipedia reicht in diesem Fall bereits aus, um sich ein erstes Bild zu machen:

Es gibt sogenannte Bareback-Partys, bei denen Gäste ausschließlich ungeschützten Geschlechtsverkehr, oft mit unbekannten, anonymen Personen ausüben.[1] Diese Veranstaltungen werden vielfach privat organisiert und finden auch außerhalb der Metropolregionen statt. Bisweilen nehmen an solchen Partys auch HIV-positive Personen, sogenannte Giftgiver (engl.: Schenkende) teil. HIV-negative Personen, die aktiv und bewusst nach einer, ihrer Ansicht nach unvermeidlichen, Infektion mit HIV streben, werden Bugchaser (engl.: Virusjäger) genannt.[2] Zu dieser Kultur gehören beispielsweise Biohazard-Tattoos, bei Partys Schilder mit der Aufschrift „Toxic Waste Zone“ (engl.: Giftmülldeponie) oder auch die Selbstbezeichnung als „serial fucker“ in Anlehnung an „serial killer“ (engl.: Serienmörder). (Quelle: Wikipedia-Artikel zu “Barebacking“)


Bekannte Kreise mögen mir nun eine Kriminalisierung von HIV-Positiven vorwerfen – sollen sie doch. Ich tue es nicht. Trotzdem meine ich:  Wer diese Praktiken nicht abartig und verwerflich findet, hat nicht mehr alle Latten am Zaun. Und es ist auch eine Wahrheit, dass das (gerade im Bereich der “AO” [alles ohne] Prostitution) auch unter vielen Heterosexuellen Gang und Gäbe ist. Auffällig ist aber auch die Häufigkeit von homosexuellen Bareback-Partys, auf die sogar durch Zeitungsinserate hingewiesen wird. In Internetforen berichten Partner (geschlechtsneutral!) über den Umstand, dass der jeweilige Partner bereits infiziert sei und sich weigere, ungeschützten Verkehr auszuüben. Deswegen suchen eben die “negativen” Partner nach Möglichkeiten sich mit dem Virus zu infizieren – um dann doch ungeschützten Sex “genießen” zu dürfen.

Diese Fälle sind Ausnahmen. Aber gerade hier müssten gerade die Homosexuellen-Verbände deutlicher Flagge zeigen. Der Ton sollte gegenüber diesen Kollegen nicht verständnisvoll klingen. Sie schüren Vorurteile gegenüber Homosexuellen und belasten ohne Ende die Sozialkassen.

Aber auch die AIDS-Hilfe sollte ihrem Auftrag entsprechen: Viel zu oft zeigt sie Verständnis für ein Verhalten, das ein ganzes Leben verändern, letzten Endes auch: früh ruinieren kann.Ich möchte hier ein paar Links auflisten, die bei mir auf volles Unverständnis stoßen:

  • AIDS-Hilfe: Verantwortung in der Partnerschaft
    “Eine besonders schwierige Situation kann entstehen, wenn in einer Beziehung HIV tatsächlich übertragen wird. Vorwürfe einerseits und Schuldgefühle andererseits können die Beziehung schwer belasten. Manche Beziehungen zerbrechen in dieser Situation. Manchmal kommt es sogar zu einem Rechtsstreit.” Wenn HIV ohne Mitwissen des anderen über die HIV-Infektion übertragen wird, ist es eine Straftat und muss zu einem Rechtsstreit führen. Hier geht es nicht um’s “Fremdgehen” oder andere Fälle, in denen das Vertrauen des Partners missbraucht wird. Die Formulierung ist eindeutig verharmlosend und verantwortungslos.

  • AIDS-Hilfe: Partnerschaft positiv/negativ
    “Manchmal kommt es allerdings auch vor, dass einer oder beide Partner sich wünschen, dass der andere sich auch infiziert. Das Virus wird als trennend empfunden. In solchen Situationen haben beide Partner die Verantwortung, nicht aus einem starken Gefühl heraus eine sehr weitreichende Entscheidung zu treffen.” Besser wäre doch hier folgende Formulierung gewesen: “In solchen Situationen haben beide Partner die Verantwortung, keine Dummheiten zu begehen, die das Leben beider verändern und später auch ruinieren wird.” Hier geht es doch nicht um die Frage, ob man ein gemeinsames Kind zeugen will oder nicht? Am liebsten wäre mir sogar diese Formulierung: “Und wenn ihr darüber nachdenkt, es doch ungeschützt miteinander zu treiben: Lasst es sein, ihr Idioten!”

  • AIDS-Hilfe: Darf ich weiter Sex haben – Muss ich es sagen?
    “Am besten versuchst du herauszufinden, was sich für dich selber am besten anfühlt. Dabei spielt möglicherweise auch die konkrete Situation eine Rolle: Bei einem flüchtigen Sexkontakt entscheidest du dich vielleicht anders als in einer Beziehung.” Da Kondome ja bekanntlich auch platzen können und es auch andere Möglichkeiten von Infektionen gibt, ist diese Formulierung schlicht unmöglich. Gerade die AIDS-Hilfe, die auch eine präventive Funktion wahrnehmen muss (!), sollte viel eindringlicher appellieren, dass eine Mitteilung über die Infektion gegenüber dem (Sex-)Partner auch etwas mit Zivilcourage und Anstand zu tun hat.

An anderen Stellen spricht die AIDS-Hilfe auch über analen Geschlechtsverkehr, wo ich mich frage, seit wann das Hinterteil Geschlecht ist. Aber das ist ein Nebenkriegsschauplatz.

Wichtig bleibt, dass Aufklärung und Prävention bei HIV/AIDS ernst genommen werden. Dass man auf die Risiken ähnlich hinweist wie man dies beispielsweise auf Zigarettenschachteln bereits praktiziert. Menschen, die sich mutwillig infizieren – was anerkanntermaßen die Minderheit ist -, verhalten sich nicht nur unverschämt gegenüber der Solidargemeinschaft – die zu Recht die Kosten für Medikamente und co. finanziert. Diese Menschen sorgen dafür, dass unverschuldet infizierte Personen und Homosexuelle in ihrer Gesamtheit in ein schlechtes Licht gestellt werden.

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